Archiv Online Gottesdienste

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Gedanken zum Himmelfahrtstag von Pastor Stephan Bernhardt 

Vatertag und Himmelfahrt – beides fällt zusammen. Einen möglichst schönen, sonnigen Tag wollen wir in Gemeinschaft verbringen – soweit es wieder möglich ist. Unabhängig davon, welcher der beiden Anlässe uns nun wichtiger ist. Hat denn das eine mit dem anderen etwas zu tun?

Ich denke doch! Denn wir suchen alle „den Himmel“ – und einen „richtig guten Vater“ wünschen wir uns auch. Wir suchen alle „den Himmel“, wir alle suchen Gott. Wir können ihn dort oben am Himmel nicht sehen. Für manche ist er „unbekannt verzogen“, nicht mehr aufzufinden. Also suchen sie ein Stückchen des Himmels, ein kleines Paradies in der Bierlaune am Vatertag… Nur: dieser Himmel trübt sich bald ein – ein anderer bleibt

 

Als Jesus in den Himmel auffuhr und seine Jünger ihm noch sprachlos und erstarrt nachblickten, waren da plötzlich zwei Engel und die fragten: „Was steht ihr da und seht zum Himmel?“ Mit anderen Worten: „Jetzt ist eine andere Blickrichtung dran. Um den Himmel zu finden, müsst ihr nicht nach oben starren. Gott ist nicht in den entfernten Galaxien. Er ist nicht unbekannt verzogen und für Euch außerhalb jeder Reichweite… Er ist bei Euch!“

Jesus Christus ist „aufgefahren in den Himmel“ – und das meint schlicht und einfach: Er ist im Herrschaftsbereich Gottes. Er hat den Weg zu Gott gezeigt. Und damit ist ein Stück des Himmels auf die Erde gekommen.

Gottes Nähe ist nicht nur unter dem blauen Himmel der glücklichen Tage zu spüren, sondern auch im grauen Alltag, auch dann, wenn der Himmel verdeckt ist. Auch dann, wenn die Glückseligkeit vom „Vatertag“ in starke Kopfschmerzen übergegangen ist.

Wir haben mit Jesus Christus ein Stück dieses Himmels in unseren Herzen. Und damit ist für uns auch der Weg zu Gott, zu unserem himmlischen Vater, offen.

Also ist – so gesehen – Christi Himmelfahrt doch Vatertag. Nur ein wenig anders als manche ihn verstehen.

So haben wir durch unseren Glauben einen tieferen Grund für Glück und Seligkeit als den Grund des Bierglases.

So polemisch will ich aber nicht schließen, sondern lieber mit dem Wort aus dem 1. Korintherbrief (Kap 3, V.11): „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ Nicht nur an Himmelfahrt ist das ein Grund zur Freude.


Hier lesen Sie einen Impuls zum Sonntag den 04.05.2020 von Pastorin Verena Bernhardt
und hören Orgelmusik, gespielt und erklärt von Kantorin Gudrun Fliegner:

Impuls für den 3. Sonntag nach Ostern (3.5.2020) zu Johannes 16,16-23 von Pastorin Verena Bernhardt 

Wiedersehen

Pastorin Verena Bernhardt

Einmal, wenn alles überstanden ist, dann werden wir uns wiedersehen. Dann werden wir nachholen, was wir versäumt haben: den Geburtstag, das Hochzeitsjubiläum, das Treffen mit alten Freunden. Je mehr Wochen ins Land gehen, die wir getrennt voneinander verbringen müssen, umso größer wird diese Sehnsucht. Sich einmal wieder richtig begegnen zu können, nicht nur über Telefon, Skype oder Nachrichten auf dem Handy. Endlich wieder Zeit miteinander verbringen und gemeinsam lachen dürfen.

In diesen Tagen vermissen viele von uns die Eltern und Großeltern, die (fast) erwachsenen Kinder oder den Lebenspartner. Die Zeit ist lang und die Ungewissheit, wann so ein Wiedersehen sein wird, quälend.

„Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen.“, so lautet ein Satz aus dem Johannesevangelium, den Jesus seinen Jüngern mit auf den Weg gegeben hat. Er ist Teil der Abschiedsreden, die der Evangelist komponiert hat. Immer wieder wird er so oder ähnlich in ihnen wiederholt. Immer wieder die eine Botschaft des Herrn: „Jetzt noch bin ich unter Euch aber diese Zeit wird zu Ende gehen. Dann werden wir getrennt sein.“ Wie lange, das bleibt für die Freunde Jesu offen.

Die ersten Christen waren noch davon überzeugt, dass Jesus bald wiederkommen würde. Sie malten sich aus, wie groß ihre Freude sein würde. Dann aber starben nach und nach alle, die ihn persönlich gekannt hatten. Jahrzehnte gingen ins Land. Schließlich ein Jahrhundert. Die Hoffnung aber blieb. Sie war nicht mehr so unmittelbar wie in den ersten Jahren. Und doch war sie untergründig noch immer zu spüren. Gerade, wenn das Leben schwer und drängende Fragen übermächtig wurden.

„Auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und eurer Herz soll sich freuen und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Und an jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen.“, so sagt es Jesus im Johannesevangelium, das etwa 100 n. Chr. (also 70 Jahre nach Jesu Erdenleben) entstanden ist.

Nein, so lange wird es nun gewiss nicht dauern, bis wir unsere Lieben wiedersehen. So lange wird ein Virus nicht wüten und ein Lockdown keinen Bestand haben! Aber das Gefühl des Wartens passt in diese Zeit zwischen Ostern und Pfingsten.

Warten, dass etwas geschieht, auf das wir selbst keinen Einfluss haben. Warten, dass sich der Himmel auftut, dass wir wieder ohne Sorgen leben können, dass wir frei sein dürfen. Es ist ur- christlich im Wartemodus zu leben und ebenso ur-christlich ist es, an der Hoffnung festzuhalten, dass dieser Tag einmal kommen wird.

Dann wird sich unsere Traurigkeit verwandeln. Dann werden wir einander wieder umarmen können und lachen und unsere Freude wird uns keiner nehmen können.

Felix Mendelssohn Bartholdy: Sonate Nr. 3 über den Luther-Choral „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“

 

 

Der erste Satz der Sonate hat drei Teile: Er beginnt festlich in A-Dur im vollen Orgelklang für eine gute Minute. Diese Musik wird am Ende des Satzes auch wieder aufgegriffen. Der Mittelteil steht in a-Moll und ist eine Doppelfuge. [Eine Doppelfuge funktioniert so: erst gibt es eine Fuge über das erste Thema. Dann gibt es eine Fuge über das zweite Thema. Dann gibt es einen Teil, in dem beide Fugenthemen gleichzeitig vorkommen.] Und im Pedal erklingt der Choral „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“.

Soweit die Form des ersten Satzes. Was aber macht diese Musik emotional so ergreifend? Da möchte ich gerne auf zwei Dinge hinweisen:

Das erste Fugenthema hat einen Tritonussprung vom dritten zum vierten Ton. Das Intervall „Tritonus“ symbolisiert den Teufel in der Musik. Es ist schwer zu singen, wirkt fremd, fern und bedrohlich. Es bereitet einem beim Hören Unbehagen. Wir spüren die „tiefe Not“, von der im Choral die Rede ist.

Mit Einsetzen des zweiten Fugenthemas soll man beim Spielen ein sehr langgezogenes Accelerando, eine Beschleunigung, spielen. Tempo ist in der Musik ein Faktor für Energie. Dadurch, dass die Musik immer schneller wird, bekommt sie immer mehr Energie. Zusammen mit der Motivik und Harmonik wird es immer dramatischer und erregter. Die innere Not des lyrischen Ichs aus „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ spitzt sich immer mehr zu! Es wird aufregistriert, man zieht immer mehr Register und es wird lauter. Die Musik bekommt noch mehr Energie.

Dann gibt es eine Überleitung in den dritten Teil des ersten Satzes, in der das erste Fugenthema im Pedal erscheint und sich noch ein letztes Mal aufbäumt. Aber das Gute, in diesem musikalischen Kampf durch das Tongeschlecht Dur ausgedrückt, siegt und entfaltet im Schlussteil seinen Glanz und seine Herrlichkeit.

Gudrun Fliegner (Kirchenmusikerin)

Ein zweiter Satz schließt sich an: Andante tranquillo. Ruhig gehend. Es ist die Ruhe nach dem Sturm, Musik wie eine schöne Blumenwiese. Beruhigt, getröstet, glücklich, sanft.

Viel Freude beim Hören! Ich wünsche euch einen schönen Sonntag. Viele Grüße,
Gudrun

 

 


Impuls für den 2. Sonntag nach Ostern (26. April 2020) zu Johannes 10, 11-30
von Pastor Stephan Bernhardt

„Da ist immer jemand, der mich behütet und der mir hilft.“ Viele von uns haben vielleicht schon als Kinder in diesem Vertrauen ein Abendgebet gesprochen oder ein Gebet vor dem Essen. Ein guter Brauch, um Gott, der für uns sorgt, zu danken und ihn um das zu bitten, was uns auf dem Herzen liegt. Wenn wir es von Anfang an so kennengelernt haben, behalten wir es manchmal ein Leben lang bei. Es ist im Laufe der Jahre allerdings nicht immer leicht, diese Zuversicht aufrecht zu erhalten. Oft genug wünschen wir uns in schweren Phasen etwas zurück von der unbefangenen Hoffnung: Mein Vater im Himmel weiß, wie es weitergeht und er wird mir einen Weg zeigen.

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Dieses alte Gebet (Psalm 23) ist das Motto des heutigen Sonntags. Es ist manchen als Tauf- oder Konfirmationsspruch zugesagt worden. Zahlreiche bildliche Darstellungen fallen uns dazu ein.

Jesus bezeichnet sich auch als den „guten Hirten“. Er will damit sagen: „Ich setze mich für euch mit meinem Leben ein.“ Er gibt niemanden auf. Im übertragenen Sinne geht er uns nach, wenn wir uns verirren und verteidigt uns auch vor Angriffen. Das gilt im Hinblick auf unser ganzes Dasein. Da macht sich also jemand stark für uns. So wie ein guter Hirte zuverlässig auf die Tiere aufpasst, die ihm anvertraut sind. Das ist ein anschaulicher Vergleich, leicht zu begreifen.

Wenn Jesus der Hirte ist, sind wir dann wie Schafe? Manch einem mag das ehrenrührig vorkommen. Verbinden wir doch mit diesen Tieren eher Unselbständigkeit und Herdentrieb: Im Zweifel mit der Masse und alleine hilflos.

Einerseits trifft das ja tatsächlich bisweilen auf uns Menschen zu. Andererseits sind Schafe schlauer, als wir meist annehmen. Es ist erstaunlich, wie gut sie sich Orte und Wege einprägen können. Sie wissen genau, wo sie hingehören.

In der Runde des Erzählcafés in unserer Kirchengemeinde wurde von der Zeit berichtet, als noch zahlreiche Schafherden auf den Deichen dieser Insel weideten. Abends liefen die Tiere zurück in ihre Ställe. Die befanden sich zum Teil im Stadtgebiet von Norderney. Von ihrem Weg in den Stall ließen sie sich nie ablenken. Zielstrebig fanden sie immer ihr Zuhause.

Gerade in unruhigen Zeiten tut es auch uns gut, wenigstens zu wissen, woher wir kommen und wohin wir uns wenden müssen. Dann finden wir leichter innerlich Halt.

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Seit 3000 Jahren schon schöpfen Menschen Mut aus dieser Lebenshaltung. Sie verschließen sich damit nicht vor der Wirklichkeit. Im Gegenteil. Sie bestärken so sich und einander in ihrem Durchhaltevermögen. Denn sie führen sich im Gebet vor Augen: Gar nichts wird mir fehlen, weil ja Du, mein Gott, bei mir bist. So oft ich nicht verstehe, warum mir Ängste, Dunkelheiten und Verluste im Leben nicht erspart bleiben, mache ich mir klar: Ich gehe da nicht alleine durch. Du, mein Schöpfer bist bei mir. Du hast mir schließlich mein Leben geschenkt – in guter Absicht.

 

All we like sheep

Es gibt im Messias von Händel einen Chor: „All we like sheep have gone astray, we have turned ev’ry one to his own way; and the Lord hath laid on Him the iniquitiy of us all.“ Der deutsche Text dieses Chores lautet: „Der Herde gleich, vom Hirten fern, so irrten wir zerstreut und es wallte jeder seinen eignen Weg; doch der Ew’ge warf auf ihn unser aller Missetat.“

Ich finde diesen Chor (abgesehen vom Schluss) musikalisch unglaublich witzig! Jede Stimme hat bei „astray“, also „zerstreut“, eine musikalische Linie zu singen, die so gar nicht zielgerichtet ist. Der Verlauf der Achtel hat zufällig wirkende Sprünge und Richtungsänderungen. Es geht von hoch nach tief und zurück, ganz so, als würde man wie ein Schaf auf einer Wiese herumlaufen und plötzlich die Richtung ändern – und das scheinbar ohne Grund.

Dann geht mal eine Stimme – oder ein Schaf – in eine Richtung los, ein zweites folgt. Dann verliert sich die gemeinsame Richtung. Die Stimmen entzweien sich wieder. Dazwischen singt der Chor in Blöcken, was fast wie ein Erzählerkommentar wirken kann.

Das ist meiner Meinung nach total absichtlich so komponiert. Denn bei dem Text „turned“, also „wallte“, komponiert Händel eine Sechzehntelfigur, in der sich die Sechzehntel in verschiedenen Variationen doch nur um sich selbst drehen. Und dazu der Text: „we have turned ev’ry one to his own way“. Ich könnte mir vorstellen, dass Händel durch die Musik ausdrücken will, dass wir nur glauben, dass wir unseren individuellen Weg gehen – und das mit hohem Aufwand, schnellem Tempo und großem Energieaufwand. In Wahrheit gehen wir nirgend wo hin, sondern drehen uns nur im Kreis.

Das Adagio (langsames Tempo) am Ende des Chores in Takt 76 ist dann ein abrupter Wechsel: Kein Herumirren mehr, keine sich im Kreis drehenden Figuren mehr. Es gibt eine klare Struktur. Wie Säulen stehen die Harmonien des Chores da: „Und der Herr hat unser aller Ungerechtigkeit auf IHN gelegt“, so eine mögliche wörtliche Übersetzung des Schlusses. Dieser Hinweis auf Jesus und seinen Opfertod am Kreuz verkomponiert Händel in Moll. Der Chor steht zuvor in F-Dur und Händel fügt einfach die entsprechenden Vorzeichen ein. Der geschäftige, fröhliche Klang bricht ab. Mit der neuen inhaltlichen Aussage wechselt das Tongeschlecht nach Moll und weist dadurch auf Jesus Leiden hin. Es gibt keine Auflösung nach Dur, keinen Hinweis auf die Auferstehung: Das f-Moll am Ende des Chores bleibt ohne eine Auflösung stehen.

Hier nun eine Aufnahme, bei der auch die Noten hinterlegt sind, so dass man die musiktheoretischen Hinweise direkt nachvollziehen kann. Viel Spaß beim Hören!

https://youtu.be/bOaSa78_NM0

Natürlich freue ich mich, auch heute wieder ein von mir gespieltes Orgelstück zu Gehör geben zu können:

Zolt Gardony: Mozart Changes

Die Aufnahme stammt vom 21. Februar 2019 aus der Kirche Stella Maris. Die Harm-Kirschner-Orgel war wegen Renovierungsarbeiten in der Inselkirche zum Zeitpunkt der Bewerbung eingehaust, so dass die Bewerbung in der katholischen Schwestergemeinde stattgefunden hat.

Und noch ein Hinweis zum Titel „Mozart Changes“: In der Jazz-Musik ist „Changes“ eine Bezeichnung für typische Akkordfolgen. Gárdonyi spielt damit im Titel auf die häufige Akkordverbindung der Quintfallsequenz an, die dem Thema von Mozart zugrunde liegt, dass er in seiner Komposition zitiert. Gárdonyi nimmt „Changes“ aber auch als Veränderung. So wiederholt er das Thema von Mozart und verwandelt es bei jedem Durchgang mehr und mehr zu einem Jazz-Stück.

Und so schließe ich mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen für einen schönen Sonntag,
Gudrun Fliegner (Kirchenmusikerin)


Hier lesen Sie einen Impuls zum Sonntag den 19.04.2020 von Pastorin V. Bernhardt
und hören Orgelmusik, gespielt und erklärt von Kantorin Gudrun Fliegner:

Johann Sebastian Bach:

Präludium und Fuge G-Dur,  BWV 541

 

Festlich-fröhlich schwingt sich die einstimmige Linie zu Beginn des Präludiums in die Höhe, wirbelt einmal über den gesamten Tonraum des Manuals und führt dann erneut zum hohen g‘‘, um dem prachtvollen Einsatz der anderen Stimmen Raum zu geben.

Das Präludium hat Anklänge an Concertoformen italienischer Barockmusik und verbindet das konzertante Sektprickeln eines Antonio Vivaldi mit den weiten Bögen Bach’scher Harmonik.

Für mich ist der Anfang in Musik gemalte Auferstehung: Die Einstimmigkeit ist das fröhliche Vorbeben, bevor mit dem Einsatz der anderen Stimmen alles in Bewegung kommt und der Stein vor dem Grab weggerollt wird.

Das Fugenthema mag dem Kenner der Bachkantate BWV 21, „Ich hatte viel Bekümmernis“, bekannt vorkommen. Die Motivik des Eingangschores findet sich in der Fuge G-Dur wieder. Und doch ist der Charakter der „Bekümmernis“ verschwunden und wird durch das festliche Dur überstrahlt.

Ich liebe dieses Satzpaar Präludium und Fuge sehr: Es gehört zu den großen Orgelwerken Bachs und ist doch mit 7:35 min eins der kürzeren. Damit kann man es gut im Gottesdienst spielen, oder – so wie ich im letzten Jahr hier auf Norderney – zu einer Bewerbung, bei der man in kurzer Zeit anspruchsvolle Orgelmusik in einer vielseitigen Auswahl zeigen soll. Da darf ein großer Bach natürlich nicht fehlen.

Die Aufnahme stammt vom 21. Februar 2019 aus der Kirche Stella Maris. Die Harm-Kirschner-Orgel war wegen Renovierungsarbeiten in der Inselkirche zum Zeitpunkt der Bewerbung eingehaust, so dass die Bewerbung in der katholischen Schwestergemeinde stattgefunden hat.

Und wer noch mehr über dieses großartige Werk lesen möchte, findet hier eine sehr gelungene Analyse.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag,

Gudrun Fliegner (Kirchenmusikerin)

 

Impuls für den 1. Sonntag nach Ostern (19. April 2020) zu Johannes 20, 19-29

von Pastorin Verena Bernhardt

„Stay at home“ – Zuhause bleiben. Das haben wir in den vergangenen Wochen verinnerlicht. Zuhause geblieben sind auch die Jünger nach der Auferstehung Jesu. Aber bei ihnen war der Grund dafür keine Pandemie. Sie waren verunsichert. Sie hatten Angst, verfolgt zu werden.

Die Jünger warteten ab, was geschehen würde. Auch Thomas war unter ihnen, der sich nach dem Tod Jesu zunächst aus der Gemeinschaft der anderen zurückgezogen hatte. Ihm hatte man davon erzählt, dass der Auferstandene schon einmal erschienen wäre. Thomas aber hatte gezweifelt: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich´s nicht glauben.“, so hatte er damals geantwortet.

Nun aber steht Jesus wieder in ihrer Mitte und wendet sich direkt an den Zweifler: „Reiche deine Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“, so forderte er Thomas auf.

Michelangelo Merisi da Caravaggio hat aus diesem Moment eines seiner berühmtesten Gemälde gemacht. Es trägt den Titel: „Der ungläubige Thomas

Was das eindrückliche Werk zum Ausdruck bringt, das kommt unserem eigenen Bedürfnis nach Begreifen nahe: Wir wollen verstehen. Wir wollen uns selbst ein Bild machen von dem, was wir sonst nicht nachvollziehen können. Wir sind es gewohnt, von Ereignissen Filmaufnahmen in den Nachrichten zu sehen. Wir brauchen einen Blick auf die Statistik und eine Einordnung in unsere Weltanschauung. Worte und Berichte anderer genügen uns oft nicht.

Etwas zu erfahren, ist das eine; es für sich zu realisieren, das andere. Das ist bei unglaublich schönen Ereignissen genauso wie bei „Hiobsbotschaften“.

So suchen wir in diesen Tagen einen Weg und sind auch damit den Jüngern in der Geschichte nicht unähnlich. Von den im Hause eingeschlossenen, mutlosen Anhängern Jesu bis zu der begeisterten Schar, die an Pfingsten auf die Straße tritt und über ihren Glauben spricht, ist es ein weiter Weg. 50 Tage liegen dazwischen.

Wir ahnen, dass auch vor uns noch ein Weg liegt. Schritt für Schritt wird er gangbarer. Neue Strukturen brauchen Zeit, aber gemeinsam finden wir sie nach und nach.

Von Thomas ist uns im Johannesevangelium nur die stammelnde Reaktion überliefert: „Mein Herr und mein Gott!“ Jesus antwortete ihm: „Weil du mich gesehen hast, darum glaubst Du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

Glauben an den Auferstandenen, das heißt für uns in diesen Tagen: Glauben, dass eine größere Macht uns begleitet und bewahrt; darauf vertrauen, dass wir gehalten bleiben in allem Unheil, das um uns herum geschieht. Es bedeutet auch: Glauben, dass es weitergeht mit uns selbst, mit unserem Land und mit dieser Welt, selbst wenn wir jetzt noch nicht wissen, was sich alles verändern wird.

Immer wieder wird uns dieser Glaube unvereinbar vorkommen mit unserem Verstand. Er ergibt sich nicht logisch aus dem, was wir zurzeit sehen und erfahren. Wir könnten darum einen solchen Glauben belächeln – ebenso wie die österliche Hoffnung auf eine Auferstehung. Wir können es aber auch mit dem Kirchenvater Tertullian halten, von dem der Ausspruch überliefert ist: „Ich glaube – gerade weil es unvernünftig ist.“

 


Hier lesen Sie die Sonderausgabe unserer Gemeindezeitung:

                        


Wir laden Sie herzlich dazu ein, virtuell einen Ostergottesdienst
aus der Inselkirche mitzufeiern:

                        Um den Gottesdienst anzusehen bitte hier oder auf das Foto klicken.

Hier hören Sie österliche Musik, gespielt von Kantorin Gudrun Fliegner an der Orgel der Inselkirche:
– Das Osterlied „Wir wollen alle fröhlich sein“

https://youtu.be/3uEenXxRWF8

– Christ ist erstanden“ als Orgelstück

https://youtu.be/lzIdxaYILPA

– Air von Johann Sebastian Bach:

https://youtu.be/JW2BgTkHP-k

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