Im Jahre 1880 hatte Norderney bereits 2095 Einwohner und die Einwohner- und Gästezahl stieg immer weiter. So kam es, dass die Kirche mit ihren 620 Plätzen schon bald dem Ansturm der Besucher kaum noch gewachsen war. 1892 machte man Pläne für eine Erweiterung der neuen Kirche. Es wurde schnell klar, dass man das Gebäude eigentlich nur Richtung Osten erweitern könne. Dafür hätte man die Straße hinter der Kirche (Kampstraße) verlegen und ein Haus (Kurapotheke) abbrechen müssen. Die Planungen für die Kirche sahen vor, den Chorbereich abzubrechen und an seiner Stelle ein Querschiff zu errichten. Als Abschluss sollte ein ganz neuer Chorbereich gebaut werden. Diese Pläne wurden am Samstag, dem 4. Juni 1892, in der Norderneyer Badezeitung veröffentlicht. Sie wurden niemals in die Tat umgesetzt und somit ist der Bau in seinen Grundzügen von der Erbauung 1879 bis heute gleich geblieben.

Nicht nur die Kirche wurde im Laufe der Zeit zu klein, sondern ab etwa 1850 auch der alte Friedhof. Der neue Friedhof wurde am Rande der damaligen Besiedlung angelegt. Im Jahre 1876 fand dort zum ersten Mal eine Beerdigung statt. Der alte Friedhof (Kirchhof) rund um die Inselkirche wurde stillgelegt.
1883 wurde zum 400. Geburtstag Martin Luthers eine Martin-Luther-Statue auf dem südlichen Teil des Kirchhofs aufgestellt. Der Bildhauer Högel aus Oldenburg hatte sie für die Gemeinde angefertigt.

Der zweite Weltkrieg hinterließ auf Norderney nicht so verheerende Schäden wie in vielen anderen Städten Deutschlands. Die Zahl der Bombenabwürfe blieb überschaubar. Dennoch wurde auch die Inselkirche durch eine Bombe beschädigt. Am 10. April 1941 fiel eine Bombe auf den alten Friedhof und beschädigte sämtliche Kirchenfenster. Die Fenster wurden durch eine Notverglasung ersetzt und die Reste der alten Fenster für eine spätere Restaurierung gesichert. 1952 bekam die Inselkirche ganz neue Fenster, sie sind noch heute im Kirchenschiff erhalten. Die Restaurierung und Ergänzung der alten Fenster wäre sehr schwierig und kostspielig gewesen und so entschied man sich für eine Neuanfertigung. Die drei Chorfenster wurden erst 1953 eingesetzt, sind aber heute leider nicht mehr erhalten. In den 50er Jahren wurde der Kirchenraum grundlegend verändert. Die üppige gründerzeitliche Ausmalung fiel dem Zeitgeschmack zum Opfer. Ältere Norderneyer erinnern sich an eine neue Ausmalung in Blau- und Grautönen. Die Orgelempore wurde 1957 verändert. Man glich die Höhe den Gemeindeemporen an und verlängerte sie in Richtung Altar. Man wollte somit vor der Orgel Raum für 70 neue Plätze schaffen.

Im Jahre 1967 plante die Gemeinde den Einbau einer neuen Heizung für die Inselkirche. Dies war der Auftakt für einen Umbau, der die Inselkirche bis heute maßgeblich geprägt hat. Das Problem beim Einbau der neuen Heizung (1967/68) war, dass der alte Heizungsraum im Turm nicht groß genug für die neue Anlage war. Aus statischen Gründen war es auch nicht möglich, den Turm zu unterkellern und so schloss man im Turm das Treppenhaus links vom Eingang. Die Treppe wurde entfernt und die Heizung eingebaut. Dies führte dann zu weiteren Problemen, denn es fehlte jetzt ein Fluchtweg. Die Lösung hierfür war der Einbau einer zusätzlichen Treppe neben der Orgel im Kirchenschiff, doch diese Treppe wurde niemals gebaut. Dieser mehr als unglückliche Zustand wurde erst zu Beginn des neuen Jahrtausends behoben, als man bei der Turmsanierung auch eine neue Heizung einbaute. Sie wurde so im Turm eingebaut, dass man die alte Treppe wieder herstellen konnte.

Beim Umbau 1968 wurden in der gesamten Kirche Schächte für die neue Warmluftheizung gegraben. Die alte Orgel der Inselkirche bedurfte auch einer dringenden Erneuerung und so entschied man sich für einen völligen Neubau, der 1970 eingeweiht wurde. Im Zuge der allgemeinen Umbauarbeiten hatte man sich auch für eine gänzlich neue Farbgebung des Innenraumes entschieden. Das Amt für Bau- und Kunstpflege der hannoverschen Landeskirche hatte der Gemeinde den Vorschlag unterbreitet, die großen Flächen der Decke farbig zu gestalten. Die Konstruktion und alle Gliederungselement sollten dagegen weiß abgesetzt werden. Die Deckenfarbe sollte im Bereich der Emporenbrüstung und beim Fußboden wiederaufgenommen werden. Die Denkmalpfleger wünschten eine Veränderung des „unerfreulichen Erscheinungsbildes“[i] der Inselkirche, da ihnen die vorherige grau-weiße Farbgestaltung, insbesondere bei der Decke, überhaupt nicht zusagte. Man entschied sich bei der Farbe für ein kräftiges Rot in Kontrast zu Weiß. Die Ausmalung erfolgte Anfang 1970. Der Fußboden wurde mit einem leuchtend roten Nylonteppich ausgelegt, der alte Steinfußboden verschwand. Die Ausstattung der Kirche, z. B. die Kanzel, wurde auch restauriert. Außerhalb der Kirche begann man mit der Umgestaltung des völlig verwilderten Kirchhofs. Man trug die erhaltenen Grabsteine und Kreuze zusammen und stellte sie in Gruppen auf.

1973 schrieb das Amt für Bau- und Kunstpflege dem Kirchenvorstand einen Brief bezüglich möglicher Veränderungen in der Kirche. Die Denkmalpfleger waren mit der Gestaltung des Chorbereichs nicht zufrieden. Sie wollten den neogotischen Altar aus der Erbauungszeit durch einen anderen, größeren ersetzen. Man erachtete den Norderneyer Altar für die Chorapsis als zu klein. Doch der alte Altar blieb und steht bis heute an seinem Platz. Die große Renovierung war damit abgeschlossen. Die bislang letzten Veränderungen an der Inselkirche fanden beginnend um die Jahrtausendwende bis heute statt. Unter anderem wurde der Turm saniert und das Kirchenschiff innen neu verputzt und gestrichen. Im Jahre 2006 wurden die Kirchenfenster aufwändig saniert und es wurde auch der leuchtend rote Teppichboden durch Fliesen ersetzt, die wesentlich besser zur Kirche passen. 2007/08 wurde die Farbgebung der Kirchenbänke geändert. Vorher waren sie schlicht grau, nun wurden sie in verschiedenen Beige- und Rot-Tönen gestrichen.

Ansicht alte Kirche

[i] Benno Eide Siebs, Die Norderneyer – Eine Volkskunde, Verlag Schuster, Leer,   1973 (unveränderter Nachdruck der Ausgabe Norden 1930), Seite 38

 

[ii] Siehe 1

 

[iii] Ostfriesenverein Hannover, Nr. 143, Aus alten Chroniken der Heimat – Ein Kirchenbau mit Schwierigkeiten, 1960, Seite 14