1707 wurde die Westseite des Turmes zu großen Teilen neu errichtet. Bis 1711 passierte dann erst mal gar nichts mehr, bis der neue Fürst eine weitere Spendensammlung genehmigte und selbst einiges für den Neubau spendete. Außerdem kamen Spenden aus den
Niederlanden und vom Hamburger Magistrat. Es kam eine Menge Geld zusammen, dennoch reichte das Geld aus beiden Sammlungen nicht für den Kirchenbau. Man legte das Geld vorerst zurück, bis es der Fürst 1717 für eigene Zwecke beschlagnahmte, später aber zurückzahlte.

Im Jahre 1727 berichtete der Pastor, dass kaum die Hälfte der Einwohner mit „Drücken und Bücken in die Kirche hinein“[i] ging. In der Winterzeit wurden die Insulaner in der völlig überfüllten Kirche halbtot oder manchmal auch „ganz tot“[ii] gedrückt.

 

Im Mai 1737 bat der Norderneyer Pastor beim Fürsten um weitere Spenden. Dieser ließ sich allerdings nicht bewegen, der Gemeinde noch weitere Gelder zukommen zu lassen, solle die Gemeinde das Geld doch selbst aufbringen. Im Oktober desselben Jahres ging ein weiteres Spendengesuch an den Fürsten, doch dieser blieb hart. Er verfügte, dass die Norderneyer ihr gesammeltes Strandgut verkaufen sollten, um damit die Renovierung zu bezahlen. Ihm war nämlich zu Ohren gekommen, dass die Insulaner in der Vergangenheit die Verkaufserlöse des Strandgutes beim Inselvogt in Alkohol umgesetzt hatten. Die Norderneyer wiesen die Forderung, ihr Strandgut für die Kirche zu nutzen, erbost zurück und behaupteten, dass die alte Kirche noch völlig ausreichend sei. Außerdem versteckte man das Strandgut. Es vergingen einige Jahre, bis ein neuer Pastor den Kirchbau wieder voran bringen konnte. Er trug das bereits gesammelte Geld zusammen und bekam eine Spendenzusage von Bremer und Hamburger Kaufleuten, sofern man den Kirchturm zu einem Seezeichen (Bake) ausbauen würde. Der Fürst erteilte eine neue Genehmigung für einen Spendenaufruf. Als im Jahre 1739 wieder ein Schiff vor Norderney strandete, hofften der Fürst und der Pastor, dass man endlich genug Geld für den Kirchenneubau zusammen bekommen würde, doch das Strandgut verschwand wieder „auf geheimnisvolle Weise“[iii]. Auch Strafandrohungen des Fürsten ließen das Strandgut nicht wieder auftauchen, aber diese Vorgehensweise der Obrigkeit führte unter den Insulanern fast zu einer Revolte.

Am 23. Juni 1750 wurde endlich mit dem langersehnten Anbau und der Renovierung begonnen. Die Gelder hierfür kamen aus weiteren Spenden. Jetzt ging alles ganz schnell und nach nur drei Monaten wurde der Anbau fertig gestellt. Am 20. September fand die Einweihung statt. In der Sakristei der heutigen Kirche ist der Gedenkstein aus der alten Kirche verbaut worden, der an die Fertigstellung erinnert, seine Inschrift lautet: „Unter Gottes Segen erbauet Anno 1750“. Dieser Stein wurde beim Abbruch der alten Kirche gerettet. Das neue Kirchenschiff war aus Backsteinen errichtet worden und soll Platz für etwa 200 Gläubige geboten haben.
Im Jahre 1851 kam die letzte große bauliche Veränderung der alten Inselkirche. Durch eine Spende des Kronprinzenpaares aus Hannover kam die Gemeinde zu einer neuen Glocke, der „Marienglocke“. Für die Glocke wurde ein neuer Turmaufsatz auf dem alten Westturm errichtet. Vorher stand westlich der Kirche ein offenes Holzgerüst, das das Geläut getragen hatte. Der Turmaufsatz ist vergleichbar mit dem Turm des Kurhauses, der 1856 errichtet worden ist.
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